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ASV Hof zittert bis zum letzten Kampf


Schultersiege sind in der Bundesliga selten, aber Svetoslav Neychev gelang wieder einer. Falko Berthel hatte nicht den Hauch einer Chance. Foto: Hering

Von Peter Langer

Nach den überragenden Rekord-Siegen gegen Lichtenfels und Frankfurt/Oder musste der ASV Hof im Heimkampf der Ringer-Bundesliga gegen den RV Thalheim wieder zittern. 20:18 stand es am Ende für die ASVler nach einem hochdramatischen Kampf. Die Westsachsen stemmten sich lange Zeit erfolgreich gegen die Niederlage und lagen nach dem 10:10-Pausenstand drei Mal vorn. Ein Kraftakt des überraschend in die Staffel gerutschten Thorsten Preiß in letzter Sekunde und ein überragender Sandor Tözser wendeten das Blatt. ASV-Trainer Dominik Zeh hatte geahnt, dass die Westsachsen eine harte Nuss sein würden. "Wir haben in der ersten Hälfte unnötig Punkte verschenkt"

Gefeierter Held war wie im Vorkampf das Hofer ASV-Eigengewächs Thorsten Preiß, der dem Thalheimer 74-kg-Ass Petr Bielesz in allerletzter Sekunde einen Punkt abknöpfte, damit dessen Sieg durch Technische Überlegenheit verhinderte und Sandor Töszer vor dem letzten Kampf den Druck eines Vier-Punkte-Sieges nahm. Dass der Ungar seinen Kontrahenten Dominic Förster schon in der ersten Runde zur Aufgabe zwang und dadurch die Maximalzahl an Punkten für den ASV eroberte, stand auf einem anderen Blatt Papier. Zeh: "Sandor konnte unbeschwerter auf die Matte gehen und seine ganze Klasse zeigen."

Schon seine ersten Griffe entnervten Förster, der nach einer schmerzhaften Beinschraube des Ungarn am Boden liegen blieb und nach zweiminütiger Behandlungszeit das Handtuch warf. Riesenjubel beim ASV,

Vergessen waren die leisen Enttäuschungen aus der ersten Hälfte. Der erstmals auf heimischer Matte eingesetzte Argir Palazov rang zwei Runden lang konsequent und kraftvoll, schwächelte aber in Runde drei und war am Ende heilfroh, dass sein 3:1-Punktsieg zu Buche stand. Weil der für die Rückrunde für das Schwergewicht vorgesehene Boyidar Boyadiev nicht erschienen war, rückte der in den letzten Kämpfen starke Ahmed Mehmedov auf. Dass er glatt mit 0:3 verlor, hatte freilich andere Gründe. Mehmedov fand gegen den Fünften der Uni-WM, Radoslav Dublinoswki, in keiner Phase des Kampfes ein brauchbares Gegenmittel. Mehmedov reagierte nur halbherzig. Da halfen auch Zehs Appelle wenig.

Der Enttäuschung im Hofer Lager folgte postwendend frenetischer Jubel . Nach einer Minute und 21 Sekunden schmetterte Mehmedovs bulgarischer Landsmann Svetoslav Neychev den einen Kopf größeren, aber völlig überforderten Falko Berthel auf die Schultern,

Die glatte 0:4-Niederlage von Artur Omarov gegen den zehn Kilogramm schwereren David Vala in der Klasse bis 96 kg war einkalkuliert. Omarov wehrte sich zwar, tapfer, musste aber schließlich die deutliche Überlegenheit des Thalheimers anerkennen. Schwerstarbeit hatte im letzten Kampf vor der Pause Ondrej Ulip zu leisten. Erik Weiß erwies sich in der 66 kg A als hartnäckiger Gegner, der Ulips aggressive Ringweise geschickt zu Kontern nutzte und zwei Mal zum Rundenausgleich kam. Im fünften und entscheidenden Durchgang hatte der für Hof ringende Tscheche die bessere Kondition und setzte sich in einem beinharten Kampf hauchdünn durch.

10:10 zur Pause und bedenkliche Gesichter im ASV-Lager. Die Mienen verfinsterten sich im 84-kg-Kampf zwischen Markus Plodek gegen Kamil Skaskiewicz. Der Thalheimer Pole deckte Plodeks technische Schwächen gnadenlos auf.

Sascha Büchner musste im freien Stil Plodeks glatte Niederlage wieder wettmachen. Leichter gesagt als getan, denn Krysztof Bienkowski hatte sich in der Hinrunde noch relativ deutlich gegen den Hofer durchgesetzt. Und tatsächlich, der Kampf stand auf des Messers Schneide. Büchner, konzentriert wie immer ringend, hatte in der fünften Runde das Glück des Tüchtigen, als der konsequent leitende Kampfrichter den Hofer einen Tick aktiver sah und ihn nach der regulären Kampfzeit "fassen ließ". Büchner nützte die Chance eiskalt, der Pole verließ stocksauer die Matte.

Ramsin Azizsir, der nach seinem Wechsel ins DRB-Leistungszentrum Frankfurt/Oder wieder viel souveräner ringt, sollte und musste Hof wieder in Führung bringen. Der Junioren-Europameister enttäuschte seine Fans nicht. Waldemar Sreib wollte es lange nicht wahrhaben, riskierte in der dritten Runde alles und lief Azizsir ins offene Messer.

16:15 für Hof, noch zwei Kämpfe. Der junge Preiß stand vor einer aussichtslosen Aufgabe. Aber Thorsten gab wie in all seinen bisherigen Einsätzen alles und brachte den Favoriten ins Schwitzen. Der Punkt in allerletzter Sekunde war der verdiente Lohn für seinen aufopferungsvollen Kampf. Und er ebnete wie eingangs beschrieben, den Hofern indirekt den Weg zum knappen Sieg.

Plodeck, Azizsir siegen

Nichts zu erben gab es am Sonntag beim neuen Tabellenführer SC Anger. Die Oberbayern waren nach dem Unentschieden in Hof bis in die Zehenspitzen motiviert und gewannen mit 32:6. Die sechs Punkte für den ASV holten Ramsin Azizsir und Markus Plodek mit Punktsiegen.

Trainer Dominik Zeh wusste, dass in Anger nur schwer was zu holen sein würde. "Aber so abschlachten lassen wollten wir uns nicht. Dazu haben wir zu stark aufgestellt." Von der Samstag-Besetzung fehlte nur Sando Tözser. Zeh wollte bei seinem besten Vorrunden-Ringer im Hinblick auf den Schlagerkampf am kommenden Samstag kein Verletzungsrisiko eingehen. Der Hofer Trainer sah neben Schatten aber auch Licht. "Wir wollen diesem Kampf nicht nachtrauern, sondern müssen nach vorne schauen. Luckenwalde ist in dieser Saison nicht so stark wie gewohnt und kann mit den eigenen Fans im Rücken geknackt werden."

frankenpost

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