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ASV Hof stark, Luckenwalde stärker


Die Hofer kämpften bis zum Umfallen, stießen aber an Grenzen. Wie hier Artur Omarov gegen den Silbermedaillengewinner Mirko Englich. Fotos: Hering

Von Peter Langer

Es war wie der berühmte Wettlauf zwischen Hase und Igel: Die Ringer des ASV Hof kämpften gut, aber die Kontrahenten des SC Luckenwalde waren in acht der zehn Gewichtsklassen jenen berühmten Tick besser als die tapferen Einheimischen. Am Ende stand ein Sieg der Gäste, der mit 25:10 viel zu hoch ausfiel, der aber unterm Strich hochverdient war. Der ASV Hof spürt im Kampf um den vierten Platz in der Bundesliga Ost nach zwei Niederlagen in Folge den Atem des Verfolgers RV Germania Markneukirchen im Nacken. Die Hofer Ringer müssen sich wieder an ihrem ursprünglichen Saisonziel orientieren. Der vierte Platz ist in dieser bärenstarken Staffel das Maß der Dinge.

Luckenwalde zeigt Respekt

Der sechsfache deutsche Vizemeister aus dem Berliner Umland hatte die Hofer Triumphe auf eigener Matte natürlich registriert und war mit der bestmöglichen Mannschaft nach Oberfranken gefahren. Bedenkliche ASV-Gesichter deshalb schon vor Kampfbeginn. Präsident Wolfgang Fleischer sah aber auch etwas Gutes in der Gäste-Aufstellung: "Die deutschen Spitzenmannschaften nehmen uns ernst."

Gleich der erste Kampf des Abends brachte die Halle zum Kochen. Argir Palazov lieferte dem mehrfachen deutschen Jugend- und Juniorenmeister Emanuel Krause ein hochbrisantes Duell. Krause startete mit einem Dreier am Mattenrand. Ein Anfänger-Fehler des Hofers, der sich aber im weiteren Verlauf enorm steigerte, sich von Krauses Provokationen nicht aus dem Rhythmus bringen ließ und sich erst in den Schlusssekunde der entscheidenden fünften Runde noch den Sieg abluchsen ließ. Ahmed Mehmedov suchte im anschließenden Schwergewichtskampf verzweifelt eine Lücke im Abwehrblock von Mateusz Gucman, hatte aber an diesem Tag weder die Schnelligkeit noch den Blick dafür. Gucman nützte seine Reichweitenvorteile geschickt aus .

Allein das Eintrittsgeld wert war der Auftritt von Svetoslav Neychev, der im Duell mit dem größeren Philipp Herzog sein ganzes technisches Repertoire in die Waagschale warf und einen vielumjubelten 3:0-Sieg einfuhr. Es sollte für lange Zeit das letzte Erfolgserlebnis der Hofer gewesen sein. Luckenwalde brachte in den folgenden sechs Kämpfen Weltklasse-Ringer wie am Fließband auf die Matte. Mirko Englich zum Beispiel, den Silbermedaillengewinner 2008 in Peking. Oder die aktuellen Europameisterschaftsdritten Eusebio Diaconu und Radoslav Velikov. Mark O. Madsen, der knallharte Däne, der sich mit Hofs Hoffnung Ramsin Azizsir bis aufs Messer bekämpfte, ist ebenfalls Silbermedaillengewinner und Vizeweltmeister in der 74-kg-Klasse. Internationale Klasse stellten auch der Pole Krystian Brzozowski und der Ukrainer Armen Varanyan dar.

Mit hohen Erwartungen

Die Hofer, allen voran ihr Trainer Dominik Zeh, waren mit hohen Erwartungen in dieses Duell mit Luckenwalde gegangen. "Wir wollten sie erstmals schlagen", gestand er hinterher ein. Aber zwischen Wunsch und Wirklichkeit klaffte ein großes Loch. Die Gäste-Staffel bestach durch die Bank mit großer Zweikampfhärte, ließ keinerlei konditionelle Schwächen erkennen und spielte ihre großen Vorteile in punkto internationale Erfahrung aus. Da wirkten Sascha Büchner und Markus Plodeck, die zwei deutschen Spitzenkräfte in der Hofer Staffel aus dem Raum Aschaffenburg, trotz größter Anstrengungen zuweilen ratlos. Azizsir nahm den Kampf mit dem ständig attackierenden Madsen an und musste die schmerzliche Erfahrung machen, dass der zuweilen unsichere Kampfleiter Eckhard Kapp vor den großen Ringer-Namen aus Luckenwalde regelrecht in die Knie ging. Gerade Ramsin war gegen Madsen ganz dicht dran, wurde aber in zwei, drei entscheidenden Situationen benachteiligt.

Sensationell das Verhalten der schätzungsweise 800 Ringerfans, die den klaren Vorsprung der Gäste ignorierten und die Hofer Staffel bis zum letzten Kampf anfeuerten. Ihr Durchhalten wurde auch belohnt, denn Sandor Töszer bot in der 74 kg-Klasse Freistil-Ringer vom Allerfeinsten. Gegner Lennard Wickel, ein junger Kerl mit großen Ambitionen, musste gegen den wie entfesselt ringenden Ungarn kräftig Lehrgeld zahlen.

Gäste-Trainer Heiko Röll bestätigte nach dem Kampf, dass Luckenwalde mit einer großen Portion Respekt nach Hof gereist war. "Wir wussten, dass der ASV in eigener Halle über sich hinauswachsen konnte und rangen vom ersten Kampf an hoch konzentriert. Wenn Hofer Zuschauer jetzt den Mattenleiter zum Sündenbock machten, kann ich das nicht nachvollziehen. Wir waren einfach besser." Sein Hofer Kollege Dominik Zeh wollte da nicht widersprechen. Aber im Mannschaftsringen kann schon ein Kampf entscheidend sein. Ich kann mich nicht erinnern, dass der Mattenleiter in kitzligen Situationen einmal für uns entschieden hat.

Duell mit Markneukirchen

Fazit: Hof muss sich darauf konzentrieren, den vierten Platz zu halten. Vieles deutet daraufhin, dass der Rückrundenkampf beim vogtländischen Nachbarn Markneukirchen am 5. Dezember die Entscheidung bringen könnte



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