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Das wird eine knallharte Saison




Von Peter Langer

Dominik Zeh wird langsam kribbelig. Nur noch eine gute Woche dauert es bis zum Start der Ringer-Bundesliga. Ein gutes Jahrzehnt hat er auf der Matte gestanden und war in erster Linie für sich selbst verantwortlich. In Hallbergmoos und zuletzt bei seinem Heimatklub ASV Hof. Jetzt muss er als neuer Cheftrainer und Nachfolger seines erfolgreichen Vaters Horst alles überschauen, alles im Griff haben. Und die Erwartungen sind hoch. Zwei Hofer Play-Off-Teilnahmen haben sie nach oben geschraubt.

Zweifacher deutscher Meister

Wer hoch hinauf will, kann auch tief fallen. Zeh hat in seiner langen Karriere oft erlebt, wie Überflieger zurechtgestutzt wurden. Er selbst rang ein Jahrzehnt lang auf konstant hohem Niveau und zwang auch die deutsche Ringer-Ikone Alexander Leipold in die Knie. Zwei Mal besiegte er den deutschen Abonnementsmeister, zwei Mal holte er den Titel nach Hof.

Vergangenheit, längst abgehakt. Zeh junior konzentriert sich auf seine neue Aufgabe. Sein Ehrgeiz treibt ihn an, aber er sieht auch die finanziellen Zwänge des ASV Hof. "Ich hätte alle Ringer am liebsten jetzt schon hier, aber ich muss immer wieder Kompromisse machen. Wir wollen weiter ordentlich wirtschaften und drehen jeden Euro zwei Mal um." Deshalb stimmte er zähneknirschend zu, dass die bulgarischen Ringer des ASV erst am kommenden Montag in Hof eintreffen. Dann will er aber keine Zeit mehr verlieren. Schon am Abend müssen sich alle ASV-Ringer auf Wettkampfbedingungen einstellen. "Wir üben intern den Bundesliga-Ernstfall. Da will ich dann sehen, wer von den auswärtigen Ringern hundertprozentig fit ist und wer nicht." Für Zeh zählt allein die aktuelle Form. "Frühere Verdienste sind ehrenhaft. Wichtig ist aber die Gegenwart. Wir stehen vor einer knallharten Saison. Vor der härtesten, seitdem der ASV in der höchsten deutschen Liga ringt."

Ein Blick auf das Teilnehmerfeld in der Ringer-Bundesliga Ost lässt Zehs Respekt verständlich erscheinen. Mit Burghausen, Anger und Hallbergmoos sind drei bärenstarke Klubs aus Oberbayern zur bisherigen Gruppe Nord dazugekommen - plus ein ehrgeiziger Aufsteiger aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Markneukirchen, gerade mal 30 Kilometer Luftlinie von Hof entfernt, hat sich wieder hochgerappelt und will im sächsischen Vogtland für einen neuen Ringer-Boom sorgen. Die Germania-Staffel tritt am 10. Oktober beim ASV Hof an, der, wie mehrfach berichtet, seine Heimkämpfe in nächster Zeit in Oberkotzau austrägt.

Dominik Zeh schüttelt nur ungläubig den Kopf, wenn er auf das Auftaktprogramm schaut. Nach der relativ leichten Aufgabe in Thalheim - Hof hat in der vergangenen Saison Hin- und Rückkampf klar gegen die Westsachsen gewonnen - warten nur dicke Brocken. "Anger, unser erster Heimgegner, hat sich enorm verstärkt und ist ein heißer Anwärter auf einen der ersten vier Plätze." Und damit ein direkter Konkurrent des ASV, der das Erreichen der Play-Off-Runde als Saisonziel ausgibt. Anschließend geht es nach Luckenwalde.

Die Messlatte liegt in der neuen Saison viel höher. Waren es in der vergangenen Saison maximal fünf Vereine, die für die Qualifikation in die Endrunde in Frage kamen, sind es dieses Mal mindestens sieben. Natürlich SC Luckenwalde, der in der Ost-Gruppe als großer Favorit gilt. Stark eingeschätzt wird von den Experten der SV Wacker Burghausen. Und dann kommt eine Gruppe, in der sich auch der ASV sieht: Anger, Hallbergmoos, Markneukirchen und Hof. Auf der Rechnung muss man auch noch Frankfurt/Eisenhüttenstadt haben, das von der Nähe zu Eisenhüttenstadt profitiert.

Einiges läuft anders beim Sohn

Was wird Dominik Zeh anders als sein Vater machen? "Ich wäre schlecht beraten, wenn ich nicht Sachen von ihm übernehmen würde. Aber einiges wird anders laufen." Der neue Cheftrainer will spätestens nach dem Dienstagtraining die Mannschaft nominieren. Intern, versteht sich. "Mein Vater hat das oft bis Freitag offen gelassen. Das hielt ich nicht für so gut." Jetzt wissen die ASVler sehr früh, woran sie sind. Die Hofer Staffel ist im Vergleich zur vorigen Saison kompakter, hat mehr Alternativen, vor allem in den mittleren Gewichtsklassen. "Wir sind unberechenbarer geworden", freut sich Dominik Zeh.

Vom "brutalen Gewichtmachen" hält er nichts. "Wer auf den letzten Drücker abspecken muss, hat eigentlich schon verloren. Ich plane langfristig. Die Ringer sollten zwei, drei Tage vor dem Kampf noch zwei oder höchstens drei Kilo zu viel auf den Rippen haben."

Zeh duldet da keine Ausreden.

frankenpost

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