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ASV Hof reißt alle von den Sitzen


Ramsin Azizsir ballt die Fäuste: Jetzt geht's los Nach fünf packenden Runden hatten Marcus Plodek (rechts) und Bernhard Koch kaum noch Kraft zum Aufstehen. Ringersport in seiner ursprünglichen Form, der Kampf Mann gegen Mann fasziniert immer wieder. Weitere Fotos unter www.frankenpost.de Fotos: Kauper

Von Peter Langer

Was für ein Kampf! Er lieferte bei der Premiere des Ringer-Bundesligisten ASV Hof in der Oberkotzauer Saaletal-Halle alles, was Ringerherzen begehren. Der ASV lag gegen den favorisierten SC Anger zunächst aussichtslos im Hintertreffen, mobilisierte aber nach der Pause alle Kräfte und schaffte mit der letzten Begegnung den Punkt zum glücklichen, aber auf Grund der Leistungssteigerung verdienten 18:18-Unentschieden.

Wechselbäder

Die rund 1000 Fans durchlebten in den zwei Stunden ein Wechselbad der Gefühle. Zur Halbzeit stand ihnen die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Hofs Chancen auf ein Erfolgserlebnis waren beim Stand von 14:3 für den bärenstarken Gast auf den Nullpunkt gesunken. Matthias Hader rang zwar genauso beherzt und frech wie in der Vorwoche in Thalheim, traf aber auf einen stärkeren Gegner. Allerdings bewies der 21 Jahre ASVler, dass er in der höchsten Liga angekommen ist. Kontrahent Stoyko Rusev war heilfroh, dass er nach drei Runden gegen den von Minute zu Minute stärker werdenden Hofer den Sieg über die Zeit gerettet hatte. Dann der zweite Kampf! Eine Augenweide, was die zwei Zentner schweren Riesen Marek Svec und Marcin Olejniciak boten. Kraftvoll und dennoch geschmeidig. Der Tscheche in Hofer Diensten war in den entscheidenden Szenen der bessere Mann und feierte einen ungefährdeten 3:0-Erfolg.

Es folgten die herben Enttäuschungen. Und wieder lieferten sie die Bulgaren Radoslav Palchev und Ahmed Mehmedov. Palchev traf auf den eminent starken Christoph Geiger und ergab sich nach zwei passablen Durchgängen in der dritten Runde nahezu widerstandslos. Vier Punkte auf dem Konto des SC Anger wegen Technischer Überlegeheit durchkreuzten die Hofer Pläne gewaltig. Es sollte noch schlimmer kommen. Der durch zusätzliches Training geschlauchte Ahmed Mehmedov ließ sich von Gergely Kiss regelrecht "abschlachten" und landete in der dritten Runde krachend auf dem Kreuz. Buh-Rufe aus dem Publikum machten deutlich, was die ASV-Fans von Mehmedovvs Engagement im ASV-Dress hielten. Sascha Büchner sollte im letzten Kampf vor der Pause für Schadensbegrenzung sorgen, zeigte gegen den Ungarn Nikolay Kurtev auch gute Ansätze, griff aber insgesamt zu halbherzig an. Ein Trainingsweltmeister, dem im Wettbewerb die letzte Konsequenz fehlt. Mit dem 0:3 war er letztendlich noch gut bedient. 3:14 lag Hof jetzt zurück. Hoffnungslos? Trainer Dominik Zeh kochte und lenkte sich mit einer Geheimrechnung auf einem Schmierzettel ab. Ein Unentschieden war, wenn alles optimal lief, noch möglich. Der erste Dämpfer kam im Kampf von Ramsin Azizsir, der gleich die erste Runde an den eckigen Bernhard Mayr abgeben musste. Unerlaubte Beinarbeit hatte der sonst gute Kampfrichter Ingo Gleisfeld gesehen und den Hofer Junioren-Europameister mit einer Zweier-Wertung für Mayr bestraft.

Plodek kämpft wie ein Löwe

Jetzt zeigte Azizsir aber seine Klasse, kämpfte mit heißem Herzen und kühlem Kopf. Mayr wehrte sich verbissen, hatte aber unterm Strich keine Chance. Weil Anger die 66-kg-Klasse im klassischen Stil wegen einer Bauchmuskelverletzung des Finnen Mattinen unbesetzt lassen musste, kam Ondrej Ulip kampflos zu vier Punkten und brachte Hof auf 10:15 heran.

War das Duell zwischen Azizsir und Koch schon fast das Eintrittsgeld allein wert, sollten jetzt noch drei Kämpfe folgen, die alles andere in den Schatten stellten. Marcus Plodek kämpfte wie ein Löwe gegen den einen Kopf größeren Bernhard Koch und schien Sekunden vor dem Ende des Fünf-Runden-Duells schon auf der Siegesstraße. Mit dem allerletzten Griff gelang dem Angerer Koch noch eine Wertung zum 3:2 für ihn.

Jetzt lag's an Neuzugang Sandor Tözser und Tomas Sobecky. Sie mussten in den abschließenden Kämpfen attackieren, aber stets auf der Hut sein. Jeder Rundenverlust könnte die Gesamtniederlage bedeuten. Wie stark war Töszer? Zeh war extra nach Budapest gefahren und hatte sich den Leichtgewichtler angeschaut. "Ein Top-Mann", versprach er. Und Töszer hielt sein Versprechen, hatte gegen den unbequemen Stefan Koch mit blitzschnellen Angriffen stets Vorteile und holte drei Punkte für den ASV.

Jetzt kam Sobecky, wild entschlossen, zumindest das Unentschieden für die Hofer zu retten. Der tschechische Ringer erfüllte die Erwartungen und entnervte den kaum schwächeren Levente Füredy mit seinem Spezialgriff: Mit dem Ausheber vom Boden punktete er sich in dem knochenharten Kampf zu einem deutlichen Drei-Runden-Sieg.

Jubel kennt keine Grenzen

Der Jubel kannte keine Grenzen. Was bis auf Zeh wohl keiner erwartet hatte, war eingetroffen. Die Hofer feierten das Remis wie einen Sieg. Eindrucksvoll hatten sie nach der Pause demonstriert, was mit großen Kämpferherzen möglich ist. Wie begossene Pudel reihten sich Palchev und Mehmedov in die La-Ola-Welle der ASV-Helden ein. Ob ihre Tage in Hof gezählt sind, soll sich in dieser Woche entscheiden.



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