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Die Gefühle schlugen Purzelbäume


Dominik Zeh feiert den Punktgewinn überschwänglich. Links im Hintergrund freut sich seiner Vater natürlich mit. Er war vorher mit der "Zweiten" in Lichtenfels angetreten und zur "Halbzeit" in Oberkotzau angekommen. "Hoffentlich bin ich nicht geblitzt worden", sagte er noch und wurde dann Augenzeuge dieser tollen Aufholjagd. "So etwas habe ich in meiner langen Karriere als Trainer und Ringer noch nicht erlebt." Foto: Kauper

Von Peter Langer

Pures Adrenalin schoss am Samstag in die Hofer Ringer-Adern. Gerade die Athleten der "zweiten Halbzeit" standen unter großem Druck, mussten in jeder Sekunde des Kampfes die Balance zwischen Risiko und Sicherheit finden. Auch am Tag danach standen deshalb alle ASVler immer noch im Banne des sensationellen Kampfes gegen Anger. Selbst Trainer Dominik Zeh, immerhin Militär-Weltmeister und zweifacher deutscher Meister, kann sich an etwas Vergleichbares nicht erinnern.

Die Gefühle in der Oberkotzauer Saaletal-Halle schlugen Purzelbaum. Sensationell, wie Ramsin Azizsir den deutschen Männer-Vizemeister Koch zermürbte, wie Sandor Töszer, Marek Svec und Marcus Plodek bei ihrem ersten Heimauftritt im ASV-Dress alles gaben, aufgeputscht von einem Publikum, das Zeh als den großen Gewinner des Abends bezeichnete. "Ohne die Fans hätten wir es nie und nimmer geschafft, den Kampf noch umzubiegen."

Doch es gab bei einer ersten Lagebesprechung auch harsche Kritik, vornehmlich an den beiden bulgarischen Ringern Ahmed Mehmedov und Radoslav Palchev, die von den Fans nach dürftigen Darbietungen auch gnadenlos ausgepfiffen worden waren. Zeh verzweifelt an Mehmedov. "Da lasse ich lieber einen jungen Hofer ringen. Mehr als vier Punkte kann der auch nicht abgeben." Der Trainer bemängelt vor allem die körperliche Verfassung Mehmedovs. "Es ist reine Zeitverschwendung mit ihm. Ich kann ihn jetzt nicht in zwei oder drei Wochen auf Bundesliga-Niveau bringen." Etwas differenzierter sieht der ASV-Coach die Leistung Palchevs. "Der ist topfit und auch als Ringer ein Riese. Aber wenn er zum Kampf antritt, ist er wie blockiert." Zeh könnte sich vorstellen, Palchev in der zweiten Mannschaft ringen zu lassen. Weil er nach zwei 0:4-Niederlagen dringend ein Erfolgserlebnis braucht.

ASV-Führung muss abwägen

Die endgültigen Entscheidungen werden wohl erst im Lauf der Woche fallen. Die Hofer Ringer stehen am Wochenende vor einer vergleichsweise leichten Aufgabe. Sie müssen beim haushohen Favoriten in Luckenwalde antreten und sind dort ganz krasser Außenseiter. Die ASV-Führung muss jetzt genau abwägen, was sie in diesen Kampf investiert. Mit Tomas Sobeck und Ondrej Ulip fallen zwei Stammkräfte ohnehin aus. Beide starten für Tschechien bei der Mitte September in Dänemark beginnenden Weltmeisterschaft und müssen für dieses Turnier "Gewicht machen".

Dominik Zeh steckt also in der Zwickmühle. Da kommt der väterliche Rat gerade recht. "Dominik macht einen Bombenjob", lobt Horst Zeh seinen Sohn. "Alle haben großen Respekt vor ihm. Weil sie wissen, was er als Ringer geleistet hat." Dann schränkt er doch etwas was ein. "Wir dürfen unsere zwei Bulgaren jetzt nicht einfach so fallen lassen. Erstens brauchen wir sie und zweitens haben sie für den ASV in den vergangenen Jahren einiges geleistet."

Zeh senior will Zeh junior jetzt keine Vorschriften machen. "Ich habe mich auf eigenen Wunsch zurückgezogen und wollte mich verstärkt um den Nachwuchs kümmern." Aber er sieht Bedarf, zum Wohle des Vereins. "Beide sind gute Ringer, stecken aber tief im Leistungskeller. Sie brauchen Hilfe, um uns helfen zu können." Der alte Trainer bietet sich als "Spezial-Trainer" für Mehmedov und Palchev an und bittet auch die Fans um Verständnis. "Die Pfiffe haben mir überhaupt nicht gefallen."

Wie stark die ASV-Staffel in diesem Jahr ist, zeigt auch, dass selbst ein Hofer Sieg noch im Bereich des Möglichen lag. Dominik Zeh: "Marcus Plodek hat überragend gekämpft. Dass er sich Sekunden vor Schluss noch um den Lohn gebracht hat, ärgert ihn selbst wohl am meisten." Der ASV-Trainer meint die letzten Sekunden eines Kampfes, in dem Plodek in der fünften Runde vorne lag und dann doch noch verlor.



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